Wer an Ratten denkt, denkt wohl auch automatisch an Gullis, Krankheiten oder Müll. Selten genug genießt ein kleines Tier wie die befellten Nager einen derart schlechten Ruf, dass einem schon beim Gedanken das Essen wieder zum Halse hochkommt. Pixar drehte 2008 den Rattenspieß gehörig um und machte daraus einen ganzen Animationsfilm. Nach dem gelungenen Vorgänger “Die Unglaublichen” bekam das Filmteam gehörigen Hunger und servierte uns ein Festmahl des Animationskinos.
Rémy ist der geborene Gourmet und entdeckt in einem Bauernhaus seinen äußerst ausgeprägten Geschmackssinn. Das Problem ist nur, dass Rémy eine Ratte ist, sich bei einer alten Oma die Zutaten klaut und von seinen Artgenossen wegen seines Talentes schief angeguckt wird. Als er eines Tages von seinem Clan getrennt wird, findet er sich in der kulinarischen Hauptstadt Europas, Paris, wieder und landet schließlich im Restaurant seines verstorbenen Vorbilds, dem Gusteau´s. Dort wird gerade der junge Taugenichts Linguini als Putzhilfe in der Küche eingestellt. Durch einen Zufall kann Rémy eines der Gerichte manipulieren, die mittlerweile nur noch mittelmäßiger Qualität sind. Die Gäste sind von der Veränderung jedoch so sehr begeistert, dass schnell Nachschlag verlangt und Linguini für den Koch gehalten wird. Der kann allerdings gar nicht kochen, also tut er sich mit der Gourmetratte zusammen, um sogar die schärfsten Restaurantkritiker des Landes auf sich aufmerksam zu machen.
Nach dem minimalistisch ausgestatteten Superhelden-Epos, besann sich Pixar wieder mehr auf den Realismus, und abgesehen von den Menschen wirken die Aufnahmen verdammt lebensecht. Während der Look in “Die Unglaublichen” wie die “Jetsons”-Cartoons mit modernem Anstrich anmutet und dabei etwas James Bond- oder den thematisierten Superhelden-Movie-Flair vermittelt, ist “Ratatouille” eher malerisch hochwertig kreiert worden und scheut sich nicht, die Möglichkeiten des CGI auszuschöpfen. Detailliertes Wasser, zauberhafte Flusspromenaden und exakte Beleuchtungseffekte findet man in dem Film zuhauf und spiegelt die Liebe wieder, die man in jede der Szenen investiert hat. Es läuft einem regelrecht das Wasser im Munde zusammen, wenn man die Detailverliebtheit und den Hang zum Realismus zu jeder Sekunde auskosten kann. Einzig die menschlichen Personen haben einen mehr comichaften Einschlag wie schon beim Vorgänger und sind gerne ihrem Charakter entsprechend überzeichnet dargestellt. Dennoch ergibt sich ein stimmiges Bild, das vor Ideen und Farbenfrohheit nur so strotzt. Das zugegeben idealisierte Bild der französischen Hauptstadt hätte nicht besser eingefangen werden können, und auch die Recherchen an entsprechenden Mahlzeiten machen sich optisch mehr als bezahlt.
Pixar hatte schon in der Vergangenheit beweisen können, dass ihre Geschichten nicht vor Kitsch triefen oder zu dick auftragen. Mit “Ratatouille” gingen sie sogar noch einen Schritt weiter und würzten den visuellen Realismus mit einer dichten Story. Die Mischung aus Humor, Drama und Spannung überzeugt in jeder Minute und fesselt den Zuschauer. Es fällt die klare Figurenzeichnung auf, die die Geschichte voran treiben und den jeweiligen moralischen Gegenpart für die Protagonisten darstellen. Der Humor ist harmlos genial geschrieben, welcher aber schon immer eine besondere Stärke im Hause Pixar war. Es sollte hierbei auch die grandiose Synchronisation erwähnt werden, die im Original von bekannten Gesichtern wie Sir Ian Holm, Brian Dennehy oder Peter O´Toole vertont wird. Doch auch die deutsche Version ist außergewöhnlich gut gelungen. So ist die Darstellung mit den passenden Personen besetzt worden, die den Figuren das nötige Quäntchen verpassen, das einen Animationsfilm zu etwas besonderem macht.
Man bemerkt auch schnell, wie eingehend sich das Filmteam mit den Recherchen zum Film beschäftigt hat. Die Menüs sind die Stars und wurden optisch sehr gut kopiert. Künstlerisch wie kulinarisch ist “Ratatouille” eine wahre Augenweide, und abseits von dem drehbuchtechnischen Chaos kann man sich einfach nicht an den Bildern sattsehen. Die Dramenelemente sind jederzeit packend und ergreifend eingefügt worden, und so begreift man schnell Rémys Dilemma, ob er sich selbst verwirklichen oder die Pflichten der Familie vorziehen soll.






Ratatouille fand ich auch super, WallE gefiel mir aber schon immer etwas besser^^
Sehr schöne Kritik, die den Film super beschreibt. Hab ihn leider bislang nur einmal gesehen, sollte allerdings doch noch eine zweite Sichtung vornehmen. Vor allem der visuelle Stil hat mich damals überzeugt, von der Story her, fand ich aber andere Pixar-Filme interessanter.
Ja, andere Filme sind etwas gehaltvoller, aber ich finde, dass Ratatouille das leichte Thema gut verkauft. Ich schau ihn mir mittlerweile gerne an, auch wenn ich von “Wall-E” immer noch etwas mehr infiziert bin
Man muss aber sagen, dass sich Pixar immer mehr in die seriöse Ecke produziert, was ich entgegen anderer Studios nur begrüßen kann.