Halloween – Die Nacht des Grauens

John Carpenter hat in seiner Regie-Laufbahn schon etliche kultige Filme inszeniert. Sei es Obermacho Snake Plissken alias Kurt Russell in “Die Klapperschlange”, das lebendige Auto in Stephen Kings Roman “Christine” oder das schleimige Monster in “Das Ding aus einer anderen Welt”. Doch mit “Halloween” wird sein Name wohl ewig verbunden bleiben, der einen absoluten Meilenstein in der Welt des subtilen Horrors markiert, Jamie Lee Curtis zum Durchbruch und zu einem zweifelhaften Titel verhalf und der Name Michael Myers seitdem in aller Munde ist.

Und die Geschichte des Michael Myers beginnt mit einem Paukenschlag. An Halloween im Jahre 1963 tötet er seine ältere Schwester Judith und wird in ein Sanatorium eingesperrt. Der dort praktizierende Psychiater Dr. Sam Loomis (Donald Pleasence) nimmt sich seiner an und entdeckt in ihm das “absolut Böse”. Myers kann als Erwachsener schließlich aus der Klinik flüchten, mit dem Ziel, die junge Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) zu finden und zu töten. Da Loomis ihm fortan folgt, entwickelt sich die Jagd zu einem tödlichen Spiel auf Zeit…

Carpenters Geschick für die leisen Töne kam schon in seinem Erstwerk “Dark Star” zur Geltung, doch anstatt humoristischen Inhalt zu liefern, fährt er mit “Halloween” die ganz bösen Geschütze auf. Ein Schockeffekt wird zu Beginn mit der Ermordung der älteren Schwester inszeniert, um dann die unbehagliche Ruhe und böse Vorahnungen einzuführen. Das wirkt trotz des Anfangs sehr behaglich und sicher, um ganz nach alter Hitchcock-Tradition die Spannung allmählich zu steigern. Also ganz klassisch sind auch leichte Suspense-Momente eingefügt worden, die sich anfangs nicht bewahrheiten und so den Spannungsbogen lange Zeit strecken. Wie gut das funktionieren kann, beweist Carpenter die komplette Länge des Filmes hindurch. Sein gemächlicher Aufbau ist es auch, der das Werk zu einem Klassiker werden ließ, der bis zum Finale hin die Spannung ins Unerträgliche ansteigen lässt. Das ist durchaus schulbuchmäßig aufgezogen, aber nicht als routiniert zu bezeichnen, denn die Elemente wurden fein säuberlich ausgesucht und ausgeschlachtet. Da reicht es völlig, ein dunkles Haus zu verwenden und ein lautes Schnaufen verlauten zu lassen, um dem Zuschauer ein ängstliches Gefühl zu entlocken.

Die Zutaten hierzu sind schnell erklärt: Dunkle Gassen, ein Haus, klaustrophobische Zustände, kein Ausweg in Sicht. Carpenter würzte die Szenen mit vielen klassischen Elementen und zieht sie bis zum Zerreißen auseinander. Es bedarf hier wenig Musikunterstützung, um dann die Spannung auf die Spitze zu treiben. Am einprägsamsten ist das Hauptthema, das man als Fan der Reihe schon auswendig kennt, und neben späteren Carpenter-Stücken ist dieses hier auch das Original, während die anderen ein wenig wie abgekupfert wirken. Wenn die Musik nicht hörbar ist, sind wenige, aber intensive, Geräusche genug, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen.

Genug der Wirkung, denn auch die Story sollte behandelt werden. Augenscheinlich ist “Halloween” kein tiefgründiges Werk wie später “Das Schweigen der Lämmer”, doch auch hier ist Minimalismus Trumpf. Michael Myers´ Taten und sein Wesen werden einfach als “absolut böse” beschrieben, damit sollte es das auch gewesen sein mit etwaigen Erklärungen. Man lässt sich nicht auf psychologische Gründe ein, warum dieser Junge so böse geworden ist, sondern beschränkt den Inhalt des Filmes auf den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, baut also bewusst ein Schwarz-Weiß-Bild auf, um die Urängste des Zuschauers anzusprechen. Auch sonst spricht vieles in der Story für Purismus, indem man einfache Locations mit stereotypen Personen besetzt. Die Story bietet inhaltlich also nichts Besonderes oder weitschweifiges, aber ist Carpenter doch ein Verfechter des urig-minimalistischen Spannungskinos.

Wo die Story doch ein wenig in seiner Logik hinkt, sind die Schauspieler über jeden Makel erhaben. Neben Donald Pleasence, der nach seinen gelungenen James Bond-Bösewicht-Auftritten hier den besorgten Psychiater mimt, kam auch Jamie Lee Curtis zu ihrem Durchbruch. Ihr wurde nach ihrem Auftritt schnell das Emblem der “Scream Queen” angehaftet und durfte auch später in Carpenters “The Fog – Nebel des Grauens” wieder an vorderster Front agieren. Aber auch Nick Castle, hinter der Maske des wahnsinnigen Michael Myers, kann den Mörder durch seinen gut getimten Auftritt effektiv darstellen, auch wenn man ihn nicht oft zu Gesicht bekommt. Auch in den Nebenrollen sind so etliche Gesichter zu finden, die man im Kino schon irgendwo mal gesehen hat, so dass die Leistung der Akteure auf hohem Niveau angesiedelt ist.

Fazit
88
Wertung
"Halloween" zeigte der Slasher-Movie-Welt was man braucht, um einen intensiven Horrorthriller zu formen. Man muss sich nicht auf die Story einlassen, um zu erkennen, dass es keine inhaltsschwere Story braucht, damit die Urängste im Kinopublikum geweckt werden können. Carpenter verbindet wenig zu vielem, nämlich einer Komposition aus herzzerreißender Spannung und gutem Schauspiel. Das und die richtige Grundstimmung reichen völlig aus, um uns passend zu Halloween aus den Sitzen zu reißen.