V – Die Besucher – Kritik und Prognose

Am Montag, den 18.07.2011, kehrte eine Sci-Fi-Kultserie auf die deutschen Bildschirme zurück. ProSieben bescherte uns zum Auftakt das Remake der 80er Erfolgsserie “V- Die außerirdischen Besucher kommen”, in der sich eine Alienrasse durch Lug und Trug das Vertrauen der Menschheit erschleicht, um sie stillschweigend zu versklaven. Die Serie bot seinerzeit genügend Potenzial, mehr zu sein als eine eindimensionale Massenproduktion und schöpfte seine Energie aus den guten Effekten sowie viel zwischenmenschlicher (auch -amphibischer) Dramatik. Das Remake, produziert seit 2009, erblickte nach langem Warten endlich das Licht der einheimischen Bildschirme. Film-Panorama.de hat einen Blick reingeworfen und wagt eine kleine Aussicht auf weitere Folgen.

Fönlocken und Mattepaintings dominierten einst das Fernsehen, als mitten in den 80ern “V – Die außerirdischen Besucher kommen” über die heimische Mattscheibe lief. Science Fiction war spätestens seit “Star Wars” oder “E.T.” in aller Munde, als sich der amerikanische Sender dazu entschied, selbst etwas Extra-terrestrisches in ihr Programm aufzunehmen. Die von 1983-1985 produzierte Serie (inklusive Miniserien) gilt auch heute noch als Kult, weil die Thematik der Unterdrückung durch ein totalitäres Regime schwerelose Auswüchse annahm. “V – Die Besucher” markiert 24 Jahre später einen Neuanfang, und das Grundthema verspricht so einiges. Ob eindimensionale Figuren und Plastiklook endlich der Vergangenheit angehören, schien also Erwartungen zu schüren.

Wie auch schon damals tauchen wie aus dem Nichts riesige Raumschiffe über mehreren Weltmetropolen der Erde auf, und die Kontaktaufnahme der Aliens versprach eine harmonische Zusammenkunft zweier Weltallrassen. Die Versprechungen der führenden Kommandanten der Schiffe werden weitgehend wohlwollend aufgenommen, nur wenige trauen dem angekündigten Frieden nicht so richtig. Somit seien die Kritiker in Person von FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), Priester Jack Landry (Joel Gretsch) oder des Anführers einer kleinen Widerstandsschar Georgie Sutton (David Richmond-Peck), der Anführerin Anna (Morena Baccarin) entgegengestellt. Noch weitere Personen werden in den Prozess mit hinein genommen, so dass zu Beginn in wahnwitzigem Erzähltempo die Protagonisten eingeführt werden. Schon in den ersten Minuten wechselt man hektisch von einer Location zur nächsten, und schnell überkommt den Zuschauer das Gefühl, als wollten die Macher in Panik etwas mehr Menschlichkeit in die Charakterzeichnung zaubern, als es im Original der Fall gewesen war. Doch Gott sei Dank wird nicht sofort alles Pulver verschossen, sondern drosselt man den Blitzstartmotor nur zur Hälfte herab.

Vergleichbar mit dem Original, setzt das Remake mehr auf menschliche Aspekte und vertieft diese teils sehr gelungen. Der Vorgänger glänzte nicht gerade mit personenbezogener Tiefe, die Charaktere waren größtenteils sehr stereotyp ausgefallen. Der Serienbeginn des Nachfolgers bemüht sich zumindest um Besserung. Hier sind nicht unbedingt alle Szenen uneingeschränkt empfehlenswert, kann sich aber mit so manchen Höhenflügen auszeichnen. Die Story bringt die Hauptpersonen in eine ähnliche Ausgangslage, wie es Fans aus dem Vorgänger kennen, nimmt sich aber dagegen kaum die Zeit, den Szenen genügend Entfaltungsspielraum einzuräumen. So hat Ericas Sohn nach Ankunft der Aliens eine Webseite urplötzlich aus dem Boden gestampft, oder wird Ericas Arbeitsablauf nur mit dem Nötigsten gefüllt. Wenigstens sind die Schauspieler in ihren zugegebenermaßen jeweiligen Kurzauftritten jederzeit Herr der Lage. Mit dem nötigen Ernst und gewisser Sorgfalt, wurden die Rollen angegangen, und auch wenn keine wahren Höhenflüge zu erwarten sind, ist die Leistung der Akteure auf hohem Niveau angesiedelt – kleinere Aussetzer mal außen vor gelassen.

Technisch ist “V – Die Besucher” für eine moderne Serie erstaunlich professionell ausgefallen. Wer wie in modernen Seriennachbarn dynamische Kamerafahrten oder verwackelte Kamera mit exzessivem Zoomeinsatz sucht, dürfte ein wenig enttäuscht werden. Zwar findet man diese Einsätze ebenfalls verwendet, aber sind diese weit weniger vorhanden und reduzieren somit den Nervfaktor. Die Serie ist weit mehr filmisch präsentiert worden und verfügt neben klaren Bildern noch über gelungene Effekte. Die sind nicht durchgehend brilliant, aber für ein TV-Format sehr gut geworden. Ob CGI oder “echte” Effekte, der Serienstart ist jedenfalls sehr vielversprechend.

Wer das Original kennt, weiß schnell, wie sich die Story im Verlauf der Serie entwickelt. Wer damals gespannt den Plot verfolgt hatte, wird sich heute höchstens noch fragen, wie das Remake Offensichtliches zu verpacken weiß. Da dies zum Zeitpunkt beim Verfassen dieses Artikels noch nicht passiert ist, möchten wir noch keine Prognosen vorausnehmen. Was wir aber versuchen möchten, ist eine kleine Annahme, wie sich die Serie entwickeln wird:

Etwas bruchstückhaft erzählt, schaffte es das Format, das Interesse beim Zuschauer oben zu halten. Der Blitzstart vermochte erst zu erschrecken, um dann zu beweisen, dass er nicht direkt zu Beginn alles verraten wird, was für spätere Folgen vielleicht angesetzt wurde. Die Voraussetzungen des Originals wurden hier im Schnelldurchlauf gepflegt, was dann passiert, dürfte sich ähnlich entwickeln. Der Storypart dürfte ebenfalls ähnliche Züge annehmen, so dass die Veränderungen wohl eher im Detail, sprich im zwischenmenschlichen Bereich, abspielen sollten. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, und wir sollten gespannt sein, wie es sich weiter darstellt…

Fazit
Der Kultfaktor des Originals dürfte dahin sein, aber das Remake dürfte der jüngeren Generation zeigen, was ihre Eltern mal im TV gesehen hatten. Das Original von "V" konnte trotz einiger Unzulänglichkeiten überzeugen, und das Remake verschandelt dem ersten Eindruck nach die alten Tugenden nicht. Ganz im Gegenteil: Der Nachfolger setzt dort an, wo man sein Vorbild noch kritisiert hatte. Ob es das Niveau auch halten kann und nicht an seinen Ambitionen scheitert, bleibt abzuwarten, aber definitiv vielversprechend.