Die Fliege

Im Jahre 1986 wurde „Die Fliege“, dargestellt von Jeff Goldblum auf das Kinopublikum losgelassen. Ein tiefgründiger Horrorfilm, der heute noch seinesgleichen im Genre sucht. Der kanadische Regisseur David Cronenberg zeigt erst im späteren Verlauf, was die „Die Fliege“ zu bieten hat und schockiert dabei den Zuschauer mit sehr gut dargestellten Ekelszenen, die das Publikum schauern lassen.

Dem genialen wie auch sympathischen Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum), ist der große Durchbruch gelungen. Er hat es geschafft Gegenstände von einem Ort zu einem anderen zu teleportieren. In seiner Gemütsverfassung erzählt er der hübschen Veronica Quaife (Geena Davis) auf einer Gala von seiner Erfindung. Diese wittert dabei ihren großen Durchbruch als Journalistin und lässt sich das Wunderwerk von Seth vorführen. Überwältigt von ihrer anfänglichen Skepsis tischt sie ihre Story ihren Chefredakteur auf. Dieser hält nichts von dem Ammenmärchen, beordert sie aber trotzdem wieder zu dem begabten Wissenschaftler. Was anfangs von der Journalistin nur auf reiner Neugierde und Ruhm basiert, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer Liebelei mit Seth Brundle. Diese führt dazu, dass es bei einem weiteren Experiment mit dem Teleporter, zu einem schwerwiegenden Fehler kommt.

Im ersten Moment hört sich der Titel „Die Fliege“ sehr belanglos an, viele würden daher vom Anschauen des Films zurückschrecken. Dies ist aber wahrlich falsch, da es Regisseur David Cronenberg gelungen ist, einen Meilenstein zu erschaffen, der heute noch seinesgleichen sucht. Dabei setzt er nicht nur auf Ekeleffekte und unzähligen Liter an Kunstblut, sondern auch auf eine beachtliche Story, die sich außergewöhnlich hoch im Horror-Genre ansiedelt. Ihm gelingt es, das futuristische Thema der Teleportation plausibel und glaubwürdig als Hintergrund für seine Geschichte auszubauen, ohne dabei in Klischees abzurutschen. Diese Herangehensweise ermöglicht es ihm, die Schwerpunkte auf die hervorragend gezeichneten Charaktere zu setzen. Wobei die Liebesbeziehung zwischen dem herzlichen Wissenschaftler Seth Brundle und der wissbegierigen Journalistin Veronica Quaife im Mittelpunkt steht. Beide Schauspieler sorgen für die eigentlich Tiefe des Horrorfilmes. Hierbei muss der großgeratene egozentrische Schauspieler Jeff Goldblum als Leitfigur erwähnt werden. Dieser schafft es mit seiner auffällig großartigen Darstellung, die Verwandlung in ein abscheuliches Ungetüm erstklassig zu präsentieren. Hierbei bedient er sich keinem Abklatsch oder gibt einen langweiligen Aufguss bekannter Filmmonster, sondern bringt einen neuartigen Stil hervor, der dem Publikum zu jeder Zeit das menschliche und barmherzige hinter seiner unappetitlichen Maske aufzeigt. Seine Bezugsperson ist im Verlauf des Filmes die aufstrebende junge Schauspielerin Geena Davis. Welche mit „Die Fliege“ einen weiteren Kassenschlager vor ihrem bitterlichen Untergang mit „Die Piratenbraut“ hervorbringen konnte. An der Seite von Jeff Goldblum hat sie es aber schwer sich zu behaupten. Der Ansatz guter schauspielerischer Leistung ist vorhanden, dennoch scheint sie der Kraftakt neben ihrem Darstellerkollege Goldblum ansatzweise zu überfordern, was besonders der Liebesbeziehung etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Für den emotionalen Auslöser von Wissenschaftler Seth Brundle, dass er ohne weitere Vorkehrungen in seinen Teleporter steigt und somit das Unglück hervorruft, ist der hauptsächlich in Serien vertretende Schauspieler John Getz schuld. Für die 80ziger Jahre mimt er seinen selbstsicheren Charakter achtbar und ansehnlich. Durch das egozentrische seiner Figur bleibt er Anfangs für den Zuschauer kalt und gefühlslos. Welches sich in der Abfolge der weiteren Entwicklung des Filmes jedoch wandelt. Dieser Grad zwischen hartherzig und sorgsam gelingt ihm dabei einwandfrei. Und genau hier zeigt Regisseur Cronenberg sehr eingehend den Tiefgang zu seinem Film. Er hat seinen Cast auf drei wichtige Personen begrenzt, die ihm genügend Zeit und Spielraum geben diese auszubauen. Dies ist ein weiterer Pluspunkt im Gegensatz zu anderen Horrorvertretern. Wo meist die Zahl der Darsteller hoch gehalten wird, damit diese wiederum für einen blutigen Abgang sorgen können, und somit verkommen die meisten Filme des Genres in der grauen Masse.

Die schrittweise Verwandlung vom Mensch zur Fliege, lässt in jeder weiteren Szene den Betrachter staunen und führt dazu, dass der Zuschauer bis zur endgültigen Verwandlung stets das menschliche Verhalten erkennt und somit eine Bindung zu dem Ungetüm aufbauen kann. Dabei stehen die Maskenbildner und Effektspezialisten den heutigen Filmen in nichts nach. Die packende und scheußliche Mutation zur Fliege wird konsequent und beeindruckend in erstklassigen Bildern dargestellt.

Das Drehbuch für „Die Fliege“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des verstorbenen Autors George Langelaan. Dieser hatte bereits im Jahre 1958 das Skript verfasst, welches damals von dem deutschen Regisseur Kurt Neumann verfilmt wurde. Durch sein frühes Ableben, konnte Langelaan leider nicht mehr die geniale Fortsetzung erleben. Jedoch ist es in Anbetracht auf die Arbeit von Langelaan Regisseur Cronenberg gelungen, die fabelhafte Erzählung des Drehbuches ausdrucksvoll und durchschlagend wiederzugeben. Um dabei den Spannungsbogen nicht nur auf den Schultern des Skriptes hängen zu lassen, hat er in den passenden und entscheidenden Szenen die perfekt abgestimmte Musikuntermalung stilgerecht eingebunden. Dafür stand ihm der kanadische Filmkomponist Howard Leslie Shore zur Seite. Dieser hatte mit „Die Fliege“ seinen großen Durchbruch gehabt. Es folgten noch Werke zu den Klassikern „Das Schweigen der Lämmer“, „Sieben“ oder „Herr Der Ringe“. So ergibt sich aus den einzelnen Komponenten ein in sich aufgehendes Meisterwerk.

Fazit
89
Wertung
Regisseur David Cronenberg hat mit „Die Fliege“ im Jahre 1986 einen Klassiker im Horror-Genre erschaffen, welcher heute noch seinesgleichen sucht. Ihm ist es als einer der wenigen Regisseure gelungen, einen Horrorfilm geradlinig und bedacht zu erschaffen, welcher zwar langsam anläuft, aber dabei niemals langatmig wirkt. Mit dem kleinen Cast konstruiert er einen atmosphärisch dichten und gleichzeitig kontroversen Film, der einem in all den Ekeleffekten immer wieder die menschliche Seite aufzeigt, ohne dabei jemals als Abklatsch anderer Vertreter zu wirken.