The Book of Eli

Die Zwillingsbrüder Albert und Allen Hughes, haben sich seit ihrem letzten gemeinsamen Film “From Hell” etwas zurückgezogen. Nun melden sich beide mit einem wahren Staraufgebot und einem interessanten Gerne-Mix wieder. Denzel Washington und Gary Oldman dürfen sich in “The Book of Eli” in einer postapokalyptischen Western-Welt bis aufs Blut bekämpfen. Das alleine dürfte schon für einen Blockbuster reichen. Doch obgleich inhaltlich und vor allem optisch einiges aufgefahren wird, kann die Geschichte über das „Buch der Bücher“ nicht ganz überzeugen.

Die Apokalypse ist über die Welt herein gebrochen. Nach einem fürchterlichen Krieg ist die Erde verbrannt und die letzten Menschen fristen ein erbärmliches Dasein. In all dem Chaos streift der Wanderer Eli (Denzel Washington) von Ost nach West. Bei sich trägt er ein Buch, was das Schicksal der Menschheit entscheiden könnte. Auf seinem Weg durchquert er die Stadt Carnegie, die von einem skrupellosen Gangster (Gary Oldman) beherrscht wird. Dieser weiß um die Macht des Buches Bescheid und will es um jeden Preis in seinem Besitz bringen. Ein Kampf auf Leben und Tod in einer unwirklichen Umgebung beginnt.

Die Geschichte von “The Book of Eli” beginnt in opulenten, gar künstlerischen Bildern. Schon zum Anfang merkt der Zuschauer die Experimentierfreudigkeit der beiden Regisseure in jeder Szene. Diese packende und stimmige Inszenierung zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film. Alles wirkt sehr authentisch, seien es die zerstörten und verdorrten Landschaften oder die dreckigen und verkommenden Charaktere. Eli geht dabei konsequent sowie ohne Kompromisse durch die Welt. Den einzigen Knackpunkt den die Story hat, ist das Buch was Eli beschützt. Besonders am Ende wird der spirituelle und religiöse Kontext immer stärker. Anstatt das Ganze auf einer philosophischen Ebene zu belassen, wird nur die Erlösung durch Gott zugelassen. Dies nimmt der gesamten Szenerie etwas die Wirkung. Es  ist sehr schade, denn in so stylischen Bildern hat man ein Endzeit-Drama bisher kaum gesehen.

Durch die Action wird allerdings der ganze Film aufgewertet. In aller bester “Mad Max” Tradition metzelt und schießt sich Eli durch die verbrannte Welt. Dabei in so opulenten Bildern wie möglich. Mit Leichtigkeit agieren die Brüder Hughes dabei mit Farben, Kamerawechseln und Schnitten. Dadurch werden nicht nur hervorragende Kampfszenen umgesetzt, sondern auch die Spannung bis auf das äußerste getrieben. Zimperlich geht es dabei auch nicht gerade zu. So manch ein Wegelagerer verliert da schon seinen Kopf. Wo Eli auftaucht gibt es recht schnell ärger. Einen Hang zum Western lässt sich dabei nie verleugnen. Es macht einfach Spaß die Szenerie zu beobachten. Aber auch hier wird es zum Schluss gemächlicher. Ein großes, opernreifes Finale hätte dem Film gut getan. So bleibt das Schlussakt ungenutzt und hinterlässt bei den Zuschauern nur fragende Gesichter.

Ganz klares Highlight des Films ist die Darbietung von Denzel Washington. Er spielt den einsamen Wolf, den geleiteten, aber auch präzise tödlichen  und effizienten Charakter. Zu jeder Zeit wirkt seine Figur glaubwürdig. Besonders in den Kampfszenen wird dies mehr als deutlich. Aber auch die ruhigen Szenen meistert er mit Bravur. Als Gegenspieler hat er den egozentrischen Gary Oldman. Sichtlich gealtert, hat er aber von seinem Feuer noch nichts verloren. Wahnsinnig und verblendet wäre bei der Figur noch untertrieben. Überraschend werden die beiden von Mila Kunis unterstützt. Sie präsentiert die menschliche Seite in der Geschichte und dies glänzend. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt und tragen zur Glaubwürdigkeit des Setting bei. Hier wurde eine gute Wahl getroffen.

Fazit
72
Wertung
Die Brüder Hughes schaffen es mit Leichtigkeit nach neun Jahren wieder einen interessanten und besonders optisch höchst ansehnlichen Film zu kreieren. In besonders künstlerischen Szenen wird die Geschichte von Eli und seinem Buch erzählt. In Sachen Style kann "The Book of Eli" so schnell niemand etwas vormachen. Umso schlimmer ist es da, dass das Finale so fad endet. Es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Hier hätte ein anderer Ansatz, durchaus ein Meisterwerk entstehen lassen können.